Brillant fassen

Brillant fassen

Wie wird ein Brillant gefasst?

Gehören Sie auch zu den Menschen, die gelegentlich (immer?) wissen müssen, wie etwas funktioniert? Das ist gut, nachfolgend lesen und sehen Sie, wie ein Brillant „eingerieben“, also gefasst wird. Die Fassart „einreiben“ ist nur eine unter vielen und kann mit relativ einfachen Werkzeugen ausgeführt werden.

Eine häufig gestellte Frage zum Thema Edelsteine im Schmuckbereich lautet: warum werden die Steine nicht einfach eingeklebt? Könnte man machen, wird auch gemacht – allerdings nur im Modeschmuckbereich. Bei (hochwertigem) Schmuck aus Edelmetallen wird in der Regel Metall über den Stein gedrückt. Sämtliche Klebstoffe haben im Gebrauch den Nachteil, dass sie nicht UV beständig sind – sie altern. Darüber hinaus würde sich das optische Erscheinungsbild eines durchsichtigen Steins drastisch verschlechtern, einfach weil durch den Klebstoff die Lichtbrechung gestört wird.

Video Brillant fassen / einreiben

Schauen  Sie sich zunächst das Video zum Thema an:

Tipp: regeln Sie die Lautstärke nach unten 😉

Schritt für Schritt

Schritt 1

Zunächst bohre ich ein Loch an der Stelle, an der sich später der Diamant befinden soll. Diese Bohrung wird nach und nach auf die richtige Größe gefräst. Scharfe Kanten werden mit einer Fase versehen.

Bei diesem Beispiel habe ich die Fass-Kante (der obere Rand des Bohrlochs) mit einem sogenannten Linsenformfräser unterfräst – so entsteht die Auflage für den Brillanten (s. Abb. 1). Das kann man so machen – muss man aber nicht. Manche verwenden lediglich einen Kugelfräser. Entscheidend ist einzig und allein, dass der Brillant nicht hin und her wackelt, er sollte stramm sitzen.

Sarto - Brillant fassen Bohrloch

Abb. 1: Sitz des Brillanten in der vorbereiteten Fassung

Schritt 2

Mit dem Einreiber (ein Stahl, dessen Spitze abgerundet und hochglänzend poliert ist) drücke ich die Metallkante an zunächst vier gegenüberliegenden Stellen über den Rand des Brillanten. Dabei kontrolliere ich immer wieder den korrekten Sitz des Steins in der Fassung (s. Abb. 2).

Sarto - Brillant fassen einreiben

Abb. 2 Metall wird mit dem Einreiber über den Rand des Brillanten gedrückt

Brillant fassen durch einreiben - die Abfolge

Brillant fassen durch einreiben – die Abfolge

Mit der richtigen Technik wird das Metall über den Rand des Steines gedrückt (Abb. 2.1)

Sarto - Metallkante über dem Brillanten

Abb. 2.1 Die Metallkante wird mit dem Stahl des Einreibers über den Stein gedrückt

Schritt 3

Abschließend wird die komplette Kante über den Stein gerieben (s. Abb. 3). Da der Einreiber hochglanz poliert ist, überträgt sich dieser Glanz auf den Fassrand.

Sarto - Brillant fassen einreiben

Abb. 3 Da der Stahl des Einreibers hochglänzend poliert ist, überträgt sich dieser Glanz auf die Fasskante

Hier noch einmal die komplette Ansicht des Vorgangs (Abb. 4):

Sarto - Brillant fassen einreiben

Abb. 4 Der Brillant sollte von oben keinen Druck erhalten – seitlicher Druck drückt das Metall über den Stein.

Fazit – Brillant fassen durch einreiben

Diese Art des Fassens sorgt für einen sicheren Halt des Brillanten im Metall. Die Vorteile liegen auf der Hand – es gibt keine störenden Krappen, an denen Wolle oder feine Fäden der Strümpfe hängen bleiben könnten. Die hier gezeigte Variante ist eine von zwei Methoden, um Steine glatt in die Oberfläche von Metallen zu fassen.

Das Fassen von Edelsteinen durch Einreiben gehört – neben den  Zargenfassungen –  zu den leichteren Übungen, welche die meisten Goldschmiede beherrschen.

Beispiel

Unten noch ein Beispiel der praktischen Anwendung – ein Ring aus Platin, in den sogenannte fancy diamonds (farbige Diamanten im Brillantschliff) eingerieben wurden.

Sarto - Brillantring fany diamonds

Brillantring – sogenannte fancy diamonds in einem Ring aus Platin, ein schönes Beispiel für klassisch eingeriebene Brillanten – eine glatte Oberfläche ohne hakelige Krappen …

Sarto - Brillant Icon

2 Kommentare
    • Mario Sarto
      Mario Sarto says:

      Hallo Frau Weber-Krumrei, ich denke, jeder Mensch kann das lernen. Möglich wären z. B. Kolleginnen und Kollegen, welche ihrerseits Goldschmiedekurse anbieten. Schauen Sie mal in Ihrer Umgebung, ob da vielleicht der ein oder andere so was anbietet.

      Antworten

Ihr Kommentar

Haben Sie einen Gedanken?
Ich freue mich über Ihren Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.