Diamant Teil 1

Diamant Teil 1

Diamanten sind alt, sehr alt. Die Steine, die man heute findet, sind vor über 100 Millionen Jahren entstanden. Sie kamen durch Vulkanausbrüche an die Erdoberfläche. Der Aufbau des Kristallgitters macht Diamant zum härtesten natürlichen Stoff, den wir kennen. Indien war über zweitausend Jahre der einzige Lieferant der Steine.

Mythos

Es ist nicht bekannt, wann genau der Mensch die ersten Versuche, einen Diamanten zu schleifen, unternommen hat. Bereits der Versuch, dieses zu tun, hat sicher zum Mythos Diamant beigetragen. Seine ungeheure Härte ist mit nichts auf dieser Welt zu vergleichen. In einigen Kulturen der Menschheit galt es gar als Frevel, einen Diamanten schleifen zu wollen.

Er ritzt alles andere und alles andere vermag nicht, ihn zu ritzen. Damit wurde er zum Unbezwingbaren, zu (gr.) adamas. Schon in diesem Sinne geht vom Diamanten eine hohe symbolische Bedeutung aus. Diamant an sich ist im Vergleich mit anderen Edelsteinen gar nicht so selten. Schleifwürdige Funde jedoch – bezogen auf Reinheit, Größe und Farbe – sind nicht so häufig. Große und insbesondere farbige Steine tauchen immer wieder in den Medien auf. Sei es, dass man sie gefunden hat oder, dass gerade einer in einem renommierten Auktionshaus für einen Rekordpreis den Eigentümer gewechselt hat.

Die Härte und die zum Teil astronomischen Preise gehören untrennbar zu diesem Gebilde aus reinem Kohlenstoff. Hinzu kommen die sagenhaften Geschichten, die sich im Laufe der Jahrhunderte um den einen oder anderen Diamanten gebildet haben. Einige sollen mit Flüchen belegt sein und den jeweiligen Eigentümern Leid und Tod gebracht haben (bekannt ist hier besonders der sogenannte „Hope Diamant“). Anderen sagt man heilende Wirkung nach.

Diamanten sind nach wie vor Symbole für Reichtum und Macht. Sie stehen aber auch für die Reinheit und für die ewig währende Liebe.

Diamant im Tropfenschliff
Diamant im Tropfenschliff (0.99 carat)

Entstehung und Eigenschaften

Er besteht zu einhundert Prozent aus kristallisiertem Kohlenstoff. Es ist das härteste natürliche Material, das wir kennen. Die Mohshärte ist 10. Oder anders ausgedrückt, Diamant besitzt eine Schleifhärte von 140.000. Er ist damit rund 140 mal härter als ein Saphir oder Rubin (Korund).

Die Lichtbrechung des Diamanten liegt bei 2,417 – 2,419 und ist damit sehr hoch. Er besitzt ferner einen starken Glanz und eine auffällige Dispersion (0,044).

Damit ein Diamant entstehen kann, vermutet man einen nötigen Druck von circa 70.000 bar und eine Temperatur von rund 1.300 °Celsius. Diese Bedingungen herrschen nur in Tiefen von 150 – 200 Kilometern innerhalb der Erdkruste. Es ist nicht abschließend geklärt, ob diese These richtig ist.

Die Bedingungen, unter denen Diamant entsteht, sind schon sehr extrem. Genau so spektakulär ist aber auch die Art und Weise, wie er an die Erdoberfläche gelangt. Wie in einem Fahrstuhl gelangt er mit dem Eruptivgestein bei einem Vulkanausbruch nach oben. Dabei ist es entscheidend, dass dies schnell geschieht. Unter Luftabschluss würde er bei 1.200 °C langsam zu Graphit zerfallen. Eine schnelle Abkühlung kommt dem zuvor.

Die Steine, die heute gefunden werden, sind ein Stück Erdgeschichte. Sie kamen vor 100 Millionen Jahren an die Erdoberfläche.

Fundorte des Diamanten

Diamanten gibt es nicht überall auf der Welt. Das hängt unmittelbar mit der Kontinentaldrift zusammen. Bis in das 18. Jahrhundert hinein war Indien der einzige Lieferant des gesuchten Edelsteins. Das änderte sich schlagartig, als 1725 Diamanten in Brasilien gefunden wurden. Hier wurden im weiteren Verlauf innerhalb kurzer Zeit mehr Diamanten gewonnen, als Indien bis dahin in 2.000 Jahren abgebaut hatte.

1867 war dann das Jahr, in dem die Diamant-Geschichte in Südafrika begann. In Kapland fand man in der Nähe des Oranje einen Diamanten von mehr als 10 Carat. Wenige Jahre später wurden dann die großen Diamantvorkommen Südafrikas entdeckt.

Nur dort, wo es den sog. yellow ground (gelblicher Kimberlit) gibt, kann man hoffen, sie zu finden. Der yellow ground ist das Verwitterungsprodukt des blue ground, welcher wiederum eine Zwischenstufe zum hard ground darstellt – grauem Kimberlit, dem sehr harten vulkanischen Tuffgestein. Diamanten werden hier bergmännisch abgebaut, zum Teil mit enormem maschinellem Einsatz.

Neben diesen primären Lagerstätten gibt es die sekundären Stellen, an denen sich das vom Wind, Eis und Wasser abgetragene Material verstärkt abgelagert hat. Diese sogenannten Seifenlagerstätten gibt es z. B. in Namibia. Auch der einst einzige Lieferant von Diamanten, Indien, hat vorrangig Seifenlagerstätten (heute nur noch von lokaler Bedeutung).

Andere wichtige Fundländer sind heute Zaire, Venezuela, Ghana, Russland und Australien. Die Geologen vermuten auch in Kanada größere Vorkommen. Sogar auf dem Meeresgrund wird nach Diamanten gesucht. Von den gewonnenen Steinen sind in der Regel nur fünf bis zehn Prozent von guter Qualität. Große Steine sind entsprechend selten.

Da Kohlenstoff auch außerhalb unserer Erde vorkommt, findet man im Gestein von Kometen ebenfalls Diamant. Forscher vermuten in den Weiten des Raums unvorstellbar große Vorkommen.

Diamanthandel

Ist der Rohstein gefunden, ist sein Weg vorbestimmt. Um 1900 wurden etwa 90 Prozent aller in der Welt geförderten Diamanten von einem Mammutunternehmen kontrolliert: De Beers. Dieser Name ist untrennbar mit Diamanten verbunden. Eine Vielzahl von Verbänden, Handelsgesellschaften und Diamantproduktionsfirmen, eng miteinander verzahnt, sorgte seit Jahrzehnten dafür, dass der Wert stets auf einem hohen Niveau blieb. So gab es seit über einhundert Jahren keine größeren Einbrüche.

Der Marktanteil des Unternehmens ist jedoch mit der Erschließung neuer Lagerstätten und durch andere Umstände stetig zurückgegangen. So schätzt man, dass heute mehr als sechzig Prozent der Steine aus anderen Quellen kommen. In diesem Geschäft lassen sich die Firmen nicht in die Karten schauen. Bewerten Sie die Zahlen darum kritisch.

Ein Großteil der Rohware wird nach London verbracht, bewertet und sortiert und zu sogenannten Lots (auch box genannt) zusammengestellt. Diese Mischungen aus unterschiedlichen Diamant-Qualitäten werden in bestimmten Zeitabständen an ausgesuchte Firmen zu Festpreisen verkauft, welche die Ware ihrerseits auf den internationalen Diamantbörsen zum Verkauf anbieten. Dieses Verfahren ist sehr streng reglementiert und trug damit gewiss zur Bildung des Diamant-Mythos bei.