Diamant Teil 2

Diamant Teil 2

Ein Brillant ist zwar ein Diamant – ein Diamant ist aber noch lange kein Brillant. Und nicht alle Diamanten werden zu Brillanten geschliffen. Es ist nur einer aus einer Reihe von möglichen Schliffen. Es ist die Kunst der Diamantschleifer, die den unscheinbaren „Kiesel“ zu einem Feuerwerk aus Licht und Farbe werden lässt. Bis dahin ist es jedoch ein weiter Weg.
Diamanten im Brillantschliff
Diamanten im Brillantschliff

Diamant – der Schliff

Man sagt: „Er ist brillant!” – damit meint man umgangssprachlich einen scharfsinnigen, klugen Kopf.

Der bekannteste Schliff des Diamanten ist der Brillantschliff. Rund, symmetrisch und mit mindestens 57 Facetten, welche in ganz bestimmten Winkeln zueinander angeordnet sind. Das Ergebnis eines Brillant-Schliffs ist so überzeugend, dass das Wort „brillant” schnell Einzug in unsere Sprache fand.

Wenn die Rohsteine von den Diamant–Börsen in die Werkstätten der Schleifer gelangen, so werden sie zunächst sehr genau untersucht. Kein Stein ist wie der andere. Die meisten Kristalle sind oktaederförmig. Daneben gibt es Würfel und Rhombendodekaeder. Häufig wird versucht, die natürliche Form des Kristalls möglichst vollständig auszunutzen. Dieses Vorgehen bewirkt zwar ein höheres Endgewicht, führt aber zu eher unbefriedigenden Proportionen. So kommt es manchmal zu Kompromisslösungen. Gerade die Proportionen eines Brillanten sind aber neben einem perfekten Finish maßgeblich für das Feuer des Steins.

Anhänger mit Brillanten und Koralle aus Gold 750
Diamanten spielen bei der Gestaltung von Schmuck oft eine wichtige Rolle - Anhänger aus Gold 750 mit Koralle und Brillanten
Diamantsägeautomaten
Sägeautomaten für Diamanten

Hat man den Rohstein untersucht und befunden, dass sich daraus 2 Steine schleifen lassen, geht es an das Teilen des Diamanten.

In früherer Zeit erfolgte dies ausschließlich durch einen kurzen Schlag mit dem Spalteisen. Im Idealfall zerfällt der Stein dabei in zwei Teile mit spiegelglatten Oberflächen. Allerdings kann er auch komplett zerstört werden, weshalb man immer mehr zum Sägen überging.

Für einen Einkaräter braucht die hauchdünne Kreissäge (aus einer Kupferlegierung) ca. 5 bis 8 Stunden. Man hat diese Vorgänge heute automatisiert. In langen Reihen stehen Sägeautomaten nebeneinander.

Mit der Technologie von heute können Diamanten auch per Laser geteilt werden. Möglicherweise ein Verfahren, das zukünftig an Bedeutung gewinnen wird. Letztlich obliegt es dem erfahrenen Schleifer, welche Methode er anwendet.

Ist die Teilung gelungen, geht es mit dem Reiben weiter. Gegen einen rotierenden wird ein weiterer Diamant gedrückt. Auf diese Weise entsteht die spätere Form. Diamant kann immer nur mit Diamant bearbeitet werden. Und das auch nur, weil er in den verschiedenen Richtungen unterschiedlich hart ist.

Auf einer horizontal liegenden Stahlscheibe, die sich zwei- bis dreitausend Mal pro Minute dreht, werden die Facetten angeschliffen. Die Arbeit des Diamantschleifers endet schließlich mit der Politur des Steins.

Bemerkenswert ist hier, dass die Schleifer Steine, die kleiner als ein Millimeter im Durchmesser sind, dennoch mit dem Brillantschliff versehen können: 57 Facetten auf kleinstem Raum, wahrhaftig kleine Meisterwerke!

Diamantschleifer
Der Diamantschleifer schleift die Facetten des Diamanten auf einer rotierenden Stahlscheibe

Hinweis – dies ist mir wichtig:

Die nachfolgenden Erklärungen sind rudimentäre Hinweise. Sie sollen in groben Zügen die Begriffe, denen Sie möglicherweise beim Kauf eines Diamanten begegnen, erläutern. Um den Wert eines Diamanten (oder jedes anderen Edelsteins) zu ermitteln, sind Sie auf die Hilfe entsprechender Fachleute angewiesen.

Ihnen ist es ohne eine entsprechende Ausbildung und Ausrüstung schlicht nicht möglich, die Richtigkeit von gemachten Angaben zu überprüfen.

Wert eines Diamanten

Um den Wert eines facettierten Diamanten zu bestimmen, bilden die sogenannten 4 C die Grundlage einer jeden Bewertung.

  1. colour, die Farbe
  2. clarity, die Reinheit
  3. cut, der Schliff
  4. carat, das Gewicht

Der letztlich zu zahlende Preis setzt sich aber nicht nur aus der Summe dieser Komponenten zusammen. Steine mit (starker) Fluoreszenz erscheinen dem Betrachter als milchig, was den Wert mindert. Darüber hinaus spielen auch die Devisenbewegungen an den internationalen Börsen eine Rolle.

Farbgraduierung der Diamanten

Die häufigsten Farben bei Diamanten sind gelbliche Töne. Diese werden zusammen mit den farblosen bewertet. Farbige Diamanten, sogenannte „fancy diamonds“, werden gesondert behandelt und erzielen Liebhaberpreise. Es gibt sie in Purpur, Rot, Rosa, Blau, Braun, Gelb, Orange und Grün.

Die Begriffe und Definitionen im Diamanthandel sind zum Teil (lokal) auch heute uneinheitlich. Verschiedene Institutionen haben unterschiedliche Richtlinien erarbeitet. Diese sind in der Tabelle einander gegenübergestellt. International spricht man heute dieselbe Sprache.

CIBJO IDC GIA alte Bezeichnung RAL 560 A5E
Hochfeines Weiß + Exceptional white+ D Jager Blauweiß
Hochfeines Weiß Exceptional white E River
Feines Weiß + Rare white + F Feines Weiß
Feines Weiß Rare white G Top Wesselton
Weiß White H Wesselton Weiß
Leicht getöntes Weiß + Slightly tinted white + I Top crystal Schwach getöntes Weiß
Leicht getöntes Weiß Slightly tinted white J Chrystal
Getöntes Weiß + Tinted white + K Top Cape Getöntes Weiß
Getöntes Weiß Tinted white L
Getönt Tinted Colour M Cape Schwach gelblich
Getönt 1 Tinted Colour 1 N Low Cape
Getönt 2 Tinted Colour 2 O Very Light Yellow Gelblich
Getönt 3… Tinted Colour 3… P - Z Light Yellow

Die Buchstaben (GIA) von D bis F (F bis 0.25 ct) erscheinen uns als farblos. Diamanten von R bis Z erscheinen uns als leicht gelblich. Alles nach Z gilt als Fantasiefarbe und wird gesondert bewertet.

Diese Bewertungen erfolgen unter Laborbedingungen mit genormten Farbvergleichssteinen (ihrerseits Diamanten). Eine Bewertung ohne Vergleichssteine oder eine genaue Bewertung von bereits gefassten Steinen ist nicht möglich.

Abgesehen von den Fantasiefarben gilt: je farbloser der Diamant ist, desto mehr Geld müssen Sie beim Kauf investieren.

Reinheitsgraduierung der Diamanten

Als „inclusions“ (engl. Einschlüsse) bezeichnet man Risse, Wachstumserscheinungen und eingeschlossene Mineralien.

Als lupenrein gelten Diamanten, bei denen mit zehnfacher Vergrößerung durch den/die geübte/n Fachmann/-frau keine Einschlüsse gesehen werden. Große Einschlüsse wirken störend auf die Brillanz und mindern den Wert erheblich.

GIA Bedeutung (Engl.) Erklärung CIBJO Bedeutung
fl flawless Keine äußeren und inneren Merkmale und absolut transparent.
if internally flawless Bei zehnfacher Vergrößerung frei von inneren Merkmalen und absolut transparent. LR Lupenrein
vvs 1 und 2 very very small internal characteristics Sehr, sehr kleine Einschlüsse, bei zehnfacher Vergrößerung nur sehr schwer zu erkennen. vvs 1 und 2 Sehr, sehr kleine Einschlüsse
vs 1 und 2 very small internal characteristics Sehr kleine Einschlüsse, bei zehnfacher Vergrößerung schwer zu erkennen. vs 1 und 2 Sehr kleine Einschlüsse
si 1 und 2 small internal characteristics Kleine Einschlüsse, bei zehnfacher Vergrößerung leicht zu erkennen. si 1 und 2 Kleine Einschlüsse
i 1 bis 3 included Deutliche Einschlüsse, mit bloßem Auge erkennbar P 1 bis 3 Deutliche Einschlüsse

Hier gilt, je weniger Merkmale der Stein (innen und außen) hat, umso mehr Geld ist dafür zu bezahlen. Die genaue Bewertung der Reinheit ist bei bereits gefassten Steinen nicht möglich.

Schliffgraduierung der Diamanten

Es kann hier zu Preisunterschieden von bis zu fünfzig Prozent kommen, wenn z. B. zwei ansonsten gleiche Steine (Farbe, Gewicht, Reinheit) bewertet werden. Der Schliff ist für die optische Wirkung eines Steins maßgeblich. So kann der eine geradezu leblos wirken, während aus dem anderen scheinbar Funken sprühen.

Die Form

Zunächst wird die Form des Schliffes bestimmt. Neben dem bekannten Brillantschliff können dies ovale, tropfenförmige, herzförmige, quadratische, rechteckige, dreieckige oder navetteförmige Schliffe sein. Bekannter sind Ausdrücke wie Baguette, Emeraldcut, Princesscut, Triangel, Trillant oder acht- und sechzehnkant Schliff.

Proportionen

Dann werden die Proportionen des Steins in Prozent ermittelt (Oberteil zu Unterteil), die Größe der Tafel zum Durchmesser, andere Facetten, der Grad der Symmetrie, die Art der Rundiste.

Preisbildend sind hier dann die Proportionen, die Symmetrie und die Politur. Diese werden abschließend jeweils mit exzellent, sehr gut, gut oder mittel bewertet. In Gutachten/Zertifikaten werden weitere Angaben zu Fluoreszenz, Kalette, Naturals  (falls vorhanden) und weiterer Merkmale gemacht.

Sie sehen, den einen, den einzigen Schliff für einen Diamanten gibt es nicht. Trotz guter Bewertungen ist es wichtig, den Stein oder die Steine vor dem Kauf gesehen zu haben.

Ferner gilt auch bei der Schliffgraduierung, dass genaue Angaben bei bereits gefassten Steinen nicht möglich sind.

Gewicht der Diamanten

Das Gewicht eines Diamanten wird in Karat (engl. carat – Abkürzung ct) angegeben. Ein Karat, das sind 200 Milligramm oder 0,2 Gramm. Je höher das Gewicht, desto mehr Geld müssen Sie für einen Stein ausgeben.

Die Geister scheiden sich, was letztlich für die Namensgebung Pate stand. Die einen sagen, es ist das Samenkorn des afrikanischen Korallenbaums, „Kuara“. Die anderen meinen, es muss der Fruchtkern des Johannisbrotbaums sein, griechisch „kerátio“. In der Praxis verwendet man für Kleinstdiamanten auch das „Punkt-System“. Hier sind einhundert Punkte ein Karat. Zu einem Stein, der 0,03 Karat wiegt, sagt man folglich „Dreipunkter“.

Der Preis nimmt bei Diamanten progressiv zu. Wenn also z. B. ein Stein, welcher 0,20 ct wiegt, EUR 750 kostet, dann kostet ein 0,40 ct schwerer Stein nicht etwa EUR 1.500, sondern EUR 2.400.

Diamanten kaufen?

Sie finden im Web unzählige Angebote zu Diamanten in allen Formen, Größen, Qualitäten und gewissen Preislagen. Da Sie diesen Teil meiner Ausführungen lesen, gehe ich davon aus, dass zumindest der Gedanke an den Erwerb von Diamanten vorhanden ist.

Was ist der Grund? Weil Sie sie einfach schön finden oder dass Sie sie gern in tollem Schmuck verarbeitet sehen möchten. Verlobung, Jahrestag oder weitere besondere Anlässe, zu denen es Diamanten geben soll?

Eine andere Möglichkeit wäre, dass Sie den oder die Steine als Anlage sehen. Sie wollen also Geld gegen Diamanten tauschen, einfach ausgedrückt.

Gute Gründe und eigentlich einfach umzusetzen. „…eigentlich!“ Schon auf der Suche nach den Steinen fragen Sie sich, ob Sie auch tatsächlich erhalten würden, wofür Sie bezahlen sollen. Oder vielleicht gibt es den Stein ja anderswo günstiger? Tja, jetzt wird es schwierig! Um es hier abzukürzen – es gibt keine Möglichkeit für Sie, Angaben zu Diamanten selbst zu überprüfen. Sie sind auf jemanden angewiesen, der sich auskennt und dem Sie vertrauen. Ja, es ist kompliziert und Sie wären nicht der erste, der irgendwann entgeistert aufgibt. Oder schlimmer, nicht der erste, der betrogen wurde.

Gehen wir davon aus, dass alles in Ordnung ist. Der Stein entspricht genau den Verkaufsangaben. Sie haben nun also den Stein und der soll nun in einem Schmuckstück verarbeitet werden. Kein Problem, oder? Fragen Sie dort, wo das Stück gearbeitet werden soll, nach, ob der Stein ersetzt wird, wenn er beim Fassen beschädigt wird (ja, dieses Risiko besteht selbstverständlich!). Ist die Antwort ja, lassen Sie sich dies schriftlich bestätigen. Mir ist kein Fasser bekannt, der bei fremden Steinen Ersatz leistet.

Der Anlagestein liegt nun seit fünfzehn Jahren bei Ihnen im Tresor. Nun brauchen Sie Geld für Ihre neue Heizung. Ok, verkaufen Sie den Stein! …aber an wen? Der Händler, bei dem Sie den Stein erworben haben, ist in Rente gegangen. Findet sich jemand in Ihrem Bekanntenkreis? Zu welchem Preis bieten Sie den Stein an? Die örtlichen Juweliere winken ab, sie können vergleichbare Steine bei ihren Händlern günstiger erwerben.

Beenden wir das hier – ich habe in den Jahren wirklich kuriose Situationen erlebt. Mein Rat lautet: Erwerben Sie lose Steine nur dann, wenn Sie Fachleute an Ihrer Seite wissen, denen Sie vertrauen können. Ansonsten kaufen Sie Diamanten nicht, um damit irgendwann mal einen Gewinn zu machen, sondern um sich daran zu erfreuen.