Platin

Platin

Platin ist ein gut schmiedbares Metall mit einer grau-weißen Farbe. Weitere Eigenschaften des Elements sind hohe Korrosionsbeständigkeit, Dichte und Schmelzpunkt. Seine Preisentwicklung geht einher mit den Möglichkeiten seiner Verwendung. Als Schmuckmetall ist Platin relativ jung. Der Wert dieses Edelmetalls richtet sich nach den Notierungen an den Börsen.

Viel Text – für wen ist ist dieser Beitrag gedacht?

Wenn Sie etwas mehr über Platin erfahren möchten, verstehen wollen, warum dieses Edelmetall als besonders betrachtet wird. Vielleicht möchten Sie Schmuck aus Platin erwerben und sich ein wenig vorbereiten? Lesen Sie weiter und erfahren Sie etwas über die Mythen der Werbung und ihre wahren Hintergründe.

Geschichte

Wenn Sie die Geschichte von Platin kennen, verstehen Sie, warum der Satz Platin ist 30 mal seltener als Gold für sich allein als reine Werbeaussage zu verstehen und (durch geologische Studien belegt) unhaltbar ist.

Platin (Latein und Englisch: Platinum) leitet sich aus dem spanischen Wort „platina“ als Verkleinerungsform von „plata“, dem Silber ab. Im ausgehenden 16. Jahrhundert konnten die Goldsucher in Kolumbien mit dem weißen Metall nicht viel anfangen. Der Überlieferung nach hielten sie die kleinen Körnchen aus dem Kies des Rio Pinto für eine Art unfertiges Silber.

Oft beginnen die Geschichten über Platin mit diesen oder ähnlichen Worten. Vielleicht, weil dies der Moment ist, in dem der europäische Kontinent zum ersten Mal bewusst mit diesem Material in Berührung kommt. Hier kennt man Silber und Gold, schätzt das hohe Gewicht und die Farbe. Gold und Silber lassen sich hervorragend verarbeiten.

Platin, dieses bis dahin in Europa völlig unbekannte Material liegt ebenso schwer wie Gold in der Hand. Was kann es sein? Gewiss hat man bereits hier Versuche unternommen, das Material zu verarbeiten. Wie frustrierend mag da die Erkenntnis gewesen sein, dass kein noch so heißes Feuer jener Zeit diese Körnchen hat schmelzen können?

Entwicklung der Verwendung von Platin

Unten eine grobe Zeitleiste, die uns die Entwicklung der Verwendung von Platin sowie den weiteren Platinmetallen vom 3. Jahrtausend vor Christus bis in unsere heutige Zeit vor Augen führt.

In diesem langen Zeitraum ist natürlich sehr viel passiert. Darüber hinaus gibt es widersprüchliche Angaben in der Literatur. Ich habe mich auf die für mich relevanten Stellen konzentriert.

3000 v. Chr.

Platin – eine lange Reise beginnt

Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Goldschmied. Sie können Ihr Material in kleinen Mengen schmelzen und sehr gut bearbeiten. Aus Ur-Formen von Drähten und Blechen entstehen erste Schmuckstücke und Gerät. Bei genauem Hinsehen fallen Ihnen kleine, helle Flecken in der sonst so gelben Oberfläche des Goldes auf. Sie erinnern sich, dass manche Stellen des Materials nicht so gut bearbeitet werden konnten. Ändern können Sie daran nichts. Diese Möglichkeiten haben Ihre Nachkommen erst sehr viel später.

Etwa von 3000 v. Chr. bis 400 n. Chr. bleibt das so – Platin und die sogenannten Platin-Nebenmetalle werden unbeabsichtigt verarbeitet. Ich kann natürlich nicht mit Bestimmtheit sagen, ob meine damaligen Kollegen diese Platin-Einlagerungen tatsächlich als Ärgernis empfunden haben. Ich halte das jedoch für sehr wahrscheinlich. Ich würde sogar meinen, dass es zu dieser Zeit Ausdrücke für gutes und schlechtes Gold gab. Je nach dem, woher das Gold stammte, enthielt es mehr oder weniger Platinmetalle.

Dieses Material findet aufgrund dieser Eigenschaften und des Handels zwischen den damaligen Hochkulturen (Mesopotamien, Griechenland, Kleinasien, Römisches Reich) Eingang in griechische (Platon, Xenokrates) und römische (Plinius) Schriften.

3000 v. Chr.
5. Jh. v. Chr.

Bewusste Verwendung

Arbeiten in Form von Schmuck, Kunst- und Kultgegenständen der präkolumbianischen Indianer lassen auf eine erste bewusste Verwendung von Platin schließen.

Neben Figuren und Masken werden auch kleinere Werkzeuge (Angelhaken, Pinzetten, Ahlen und einiges mehr) hergestellt.

Die Kenntnisse der Indianer bei der Verarbeitung sind grandios. Platinkörner werden durch Goldstaub bei Hitze miteinander verbunden und dann geschmiedet. Heute kennt man dieses Verfahren unter den Begriffen Sintern und pulvermatallurgische Verbindungen.

5. Jh. v. Chr.
1. – 12. Jh. n. Chr.

Erfahrung und Kenntnis

Anhaltende Erfahrungen im Umgang mit den Platinmetallen bei den ecuadorianischen und kolumbianischen Indianern: Goldgegenstände enthalten relativ wenige Einschlüsse von Platinmetallen. Das zeugt von sorgfältiger Materialauswahl.

1. – 12. Jh. n. Chr.
800 bis 1500 n. Chr.

Wissen verbreitet sich

In Südamerika verbreiteten sich die Kenntnisse im Umgang mit den Platinmetallen.

Einige weitere Kulturen verarbeiten das Material.

Man vermutet, dass auch den Inkas gewisse Eigenschaften der Platinmetalle bekannt sind. Neben Silber kommen in einer großen Weißgoldplatte (Cuzco) auch 18 Prozent Platinmetalle zum Einsatz.

800 bis 1500 n. Chr.
1520

Spanische Eroberer

Nahe Popayan in Kolumbien finden die „conquistadores“ weiße Körnchen im Kies des Pinto. Daraus leitet sich der spätere Name ab: „Platina del Pinto

1520
16. bis 18. Jh.

Wertlos?

Da die Platinmetalle nur schwer zu verarbeiten sind und das Gold „verunreinigen“, ist das Material nicht gerade sehr hoch geschätzt. Sein Wert ist darum gering.

Vom 16. bis zum 18. Jh. wurde Platin als unbrauchbarer Begleiter bei der Goldgewinnung angesehen.

1759 soll der Vizekönig von Granada auf Anweisung der neuen spanischen Regierung Platin von den Abfallhalden der Münzprägestätten Bogota und Papayan sammeln und nach Spanien verbringen lassen. Dieses Material wird an Chemiker und weitere Wissenschaftler in Europa weitergeleitet.

16. bis 18. Jh.
1750

Eigenständig

In diesem Jahr hat der Engländer Sir William Watson Platin als eigenständiges Element klassifiziert (angeblich anhand geschmuggelter Proben).

Ein Jahr später wird Platin den Edelmetallen durch den schwedischen Forscher Scheffer zugeordnet – es löst sich nur in heißem Königswasser.

1750
1760 – 1820

Betrug!

Es kommt im Münzwesen zu Fälschungen bei Goldmünzen – durch Platin!

Jetzt wird Platin regelrecht geächtet.

Bei Jekaterinburg im Ural werden Goldseifen entdeckt (1771). Die ebenfalls enthaltenen Platinanteile werden über Jahre auf Abraum-Halden verbracht.

1760 – 1820
1800

Reinplatin

William Hyde Wollaston stellt von 1800 bis 1820 mehr als eine Tonne reines Platin her. Es wird als pulvermetallurgisches Verfahren zur gewerbsmäßigen Herstellung von formbaren Reinplatin bezeichnet.

1802 – 1804 entdeckt Wollaston bei Untersuchungen von Rückständen zwei weitere Platinmetalle – Palladium und Rhodium.

Der Arzt und Chemiker Tennant findet währenddessen im schwarzen Pulver Iridium und Osmium.

Karl Ernst Claus gilt offiziell als Entdecker des Rutheniums (1844). Er wiederholte Versuche von Osann (1828), dessen Ergebnisse zu seiner Zeit jedoch nicht bestätigt werden konnten.

1800
1833

Endlich …

John Frederic Daniell entwickelt den Daniellschen Hahn – ein Knallgasgebläse – betrieben mit Wasser- und Sauerstoff. Jetzt lassen sich Temperaturen von über 3.000 Grad erzeugen.

Platin kann von nun an ohne temperatursenkende Zusätze geschmolzen werden.

Jetzt wird es nur noch 150 Jahre dauern, bis Platin zu einem Synonym für etwas sehr edles wird.

1833
um 1900

Platin im Schmuckbereich

Schmuck aus Platin ist in den USA so beliebt, dass rund 60 Prozent des Edelmetalls zu Schmuck verarbeitet werden.

Dieser Umstand treibt merkwürdige Blüten: Die American Chemical Society fordert die Bevölkerung auf, keinen Platinschmuck mehr zu erwerben, da die Nachfrage zu stark gestiegenen Preisen führt und angeblich wichtige Forschungen der Chemiker gefährdet seien.

In Pforzheim entwickelt die Firma Dr. Richter & Co. 1912 die erste palladiumhaltige Weißgoldlegierung. Sie kommt unter dem Namen „DORICO“ als günstiger Ersatz für das immer beliebter werdende Platin in den Handel.

um 1900
1920 – 1940

Art Déco

Man ist nach wie vor von den Eigenschaften des Platins begeistert. Weniger jedoch als eigenständiges Material – vielmehr dient es nun als Fassung bei Diamantschmuck.

1920 – 1940
bis heute

Schlag auf Schlag

Es wurden und werden zahlreiche Verwendungsmöglichkeiten gefunden. In der Medizin, bei der Computertechnik, bei der chemischen Industrie und einer großen Anzahl von technischen Erfindung – Platin und die Platinmetalle sind nicht mehr wegzudenken.

Ohne Platin würden Sie Ihr Leben anders leben. Viele von uns als selbstverständlich genutzte Dinge gäbe es nicht.

Vom ungeliebten weißen Körnchen zum wichtigen Katalysator – die Reise dieses Elements ist sicher noch lange nicht beendet.

bis heute

Ist Platin 30 mal seltener als Gold?

Nachdem Sie die Geschichte des Platins etwas besser kennen, werden Sie die folgenden Zahlen nicht mehr verwundern.

Fördermengen von Platin, Gold und Silber

Die Grafik (Abb. 1) gibt die weltweit geförderte Menge der jeweiligen Edelmetalle in der Zeit von 1900 bis 1999 an. Bei den drei Buchstaben „PGM“ handelt es sich um die Abkürzung für Platingruppenmetalle. Dazu gehören Palladium, Ruthenium, Rhodium, Platin und Osmium. Diese fünf Elemente sind bei den Gewichtsangaben unter „PGM“ zusammen gefasst.

An Platingruppenmetallen wurden in knapp hundert Jahren ca. 14.720 Tonnen gewonnen. Bei Gold sind es im selben Zeitraum etwa 111.213 Tonnen. Mengenmäßig wurde in der Zeit das Silber mit rund 853.980 Tonnen am häufigsten gefördert.

Fördermengen in der Zeit von 1900 bis 1999 von Platin, Gold und Silber
(Abb. 1) Veranschaulichung der Mengen von geförderten Edelmetallen im Zeitraum von 1900 bis 1999

Die Fördermengen von Gold (Au) und den Platingruppenmetallen liegen weit auseinander – nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, wie spät der Mensch den Nutzen und damit den Wert jener entdeckt hat.

Ist Platin nun also 30 mal seltener als Gold? Nein! Richtig ist: Es war einfach weniger interessant (geschichtlich betrachtet). Es konnte lange Zeit nicht sinnvoll be- und verarbeitet werden. Die Erforschung der Verwendungsmöglichkeiten steckt noch in den Kinderschuhen. Im Schmuckbereich werden die Platinmetalle nur zögerlich vom Kunden angenommen (es gibt hier große regionale Unterschiede). Die wirtschaftliche Gewinnung bei niedrigen Marktpreisen ist schwer und mindert so das Vertrauen der Investoren.

Von der geförderten Menge auf das Vorkommen zu schließen, ist natürlich grundfalsch. Geologisch betrachtet, sind Platin mit 0,005 ppm (Parts per Million) und Gold mit 0,004 ppm etwa gleich stark im für den Menschen zugänglichen Bereich der Erdkruste vertreten.

Vorkommen

Wie das Gold, so kommt auch Platin meist gediegen, das heißt, in metallischer Form in vielen Ländern der Welt (auch in Deutschland) vor. Ferner ist es in einer ganzen Reihe von chemischen Verbindungen in Mineralien enthalten.

Bedeutende Lagerstätten sind Gebiete unserer Erde, an denen sich das Material konzentrierter als anderswo abgelagert hat und darüber hinaus für den Menschen zugänglich sind. Solche Gegenden finden sich in Südafrika, im Ural und in Kanada. Bergplatin ist die Bezeichnung für das in primären Lagerstätten gewonnene und Seifenplatin für das aus den sekundären Lagerstätten abgebaute Edelmetall.

Bedingt durch die Vergesellschaftung der Platinerze mit den Platinnebenmetallen ist die Gewinnung und Raffination von Platin um einiges aufwändiger, komplizierter und damit teurer, als die von Gold. Für eine Unze Bergplatin (31,1 g) müssen im Schnitt rund 10 Tonnen Erz gebrochen werden. Das Merensky-Riff im südlichen Teil des afrikanischen Kontinents (siehe Karte) ist das bislang größte Platinlager der Welt. Die Konzentration der Platinmetalle ist hier ausreichend hoch (schwankend zwischen 4 bis 10 Gramm pro Tonne Gestein), um es noch gezielt – wirtschaftlich – abbauen zu können.  Als größtes Bergwerk gilt die Rustenburg-Mine westlich von Pretoria.

Nebenprodukt bei der Gewinnung von Nickel und Kupfer
In Ländern, in denen Nickel und Kupfer abgebaut wird, fällt Platin als Nebenprodukt an. So werden Platinmetalle auch im sogenannten Buntmetallgürtel der kanadischen Provinz Ontario und im russischen Norilsk (Sibirien) gewonnen. Die Konzentration von Platin in der Erdhülle wird in der Wissenschaft mit 0,005 ppm (parts per million) angegeben. Damit ist es ebenso selten wie Gold.

Merensky Reef Bedeutende Platin Vorkommen in Südafrika - Karte mit Lagerstätten
Merensky Reef – Bergbau: bedeutende Platin-Vorkommen

Eigenschaften

„Innere Werte“ — das drückt es gut aus! Auf den ersten Blick ist Platin eher unscheinbar. Mit seiner grauen Farbe fällt es nicht weiter auf. Man muss sich schon etwas näher damit beschäftigen. Es einmal in die Hand nehmen …

Jenen, die es zuvor noch nie in Händen hatten, entfährt ein leises „Uuh!“ Dieses Gewicht ist unerwartet hoch. Von den weiteren Eigenschaften profitieren Sie zwar, können diese aber nicht direkt erfassen. Ein Beispiel ist, dass Platin als hypoallergen gilt. Für sensible Menschen, die mit vielen anderen Stoffen Probleme haben, kann Platin die Lösung sein. Denken Sie an die Stifte bei Ohrsteckern.

Die Farbe von Platin verändert sich nicht, es läuft nicht an. Es ist sehr gut verform- und dehnbar, man spricht hier von hoher Duktilität.

Die weiteren Eigenschaften sind für mich als Goldschmied sicher interessanter, als für Sie. So lässt sich das Material hervorragend schweißen. Das liegt an seiner geringen Wärmeleitfähigkeit. Sein Schmelzpunkt hingegen ist so hoch, dass ich andere Edelmetalle in Vertiefungen einschweißen kann. Platin und Gold – ein wunderbarer Farbkontrast. Es ist ein fantastisches Material, um darin Edelsteine zu fassen. Denken Sie hier an die Zeit des Art Déco.

Platin schweißen
Platin lässt sich hervorragend schweißen - Temperaturen über 2.000 °C

Tabelle: Physikalische Eigenschaften von Platin

Eigenschaft Wert Eigenschaft Wert
Chem. Zeichen Pt Dichte 21,45 g/cm³
Schmelzpunkt 1.774 °C Siedepunkt 3.827 °C
Bruchdehnung 41 Ritzhärte (n. Mohs) 4,3
Farbe grau Härte (n. Brinell) 56

Zusammenfassung – Platin , die Fakten

Platinschmuck und die Preise

Wenn Sie Platinschmuck das erste Mal erwerben, werden Sie sich mit dem Gedanken anfreunden müssen, mehr Geld auszugeben als für ein vergleichbares Stück in Gold. Das hat ganz handfeste Gründe. Neben dem Weltmarktpreis für Platin sind die folgenden Faktoren preisbildend:

  • aufwändigere Verarbeitung – um Platinschmuck herzustellen, bedarf es eines höheren Aufwandes, als dies bei Schmuck aus Gold der Fall ist
  • Platin reagiert in der Phase der Herstellung von Schmuck sehr empfindlich auf diverse Verunreinigungen, was eine gesonderte Herstellungslinie erfordert
  • es ist spezielles Fachwissen im Umgang mit Platin erforderlich
  • die Verfahren (Raffination) bis zum fertigen Platin-Barren sind äußerst kompliziert und aufwändig
  • Platin hat ein hohes spezifisches Gewicht – Schmuck aus Platin wiegt mehr als Schmuck aus anderen Schmucklegierungen

Platin – das edelste Schmuckmaterial?

Platin gehört zu den edelsten Metallen. Platin rangiert in der elektrochemischen Spannungsreihe der Metalle hinter dem Iridium auf Platz drei – auf Platz eins findet sich Gold.

Platin – wie selten ist es wirklich?

Platin gehört zu den sog. Übergangsmetallen und ist genau so selten wie Gold. Vielfache geologische Untersuchengen an diversen Stellen der Erde kommen zu dem Ergebnis, dass die beiden Edelmetalle mit ca. 0,005 ppm (engl. für „parts per million“) etwa gleich stark vertreten sind. Es gibt Orte, an denen es mehr oder weniger konzentriert vorkommt. Ein Abbau der Platinmetalle allein ist wirtschaftlich nur an wenigen Stellen der Erde interessant.

Platin – trägt sich nicht ab?

Häufig ist zu lesen, Platin trüge sich nicht ab. Ist es damit unzerstörbar? Nein, natürlich nicht – Platinschmuck bekommt im Gebrauch wie Schmuck aus anderen Legierungen ebenfalls Kratzer und Macken. Das „nicht abtragen“ bezieht sich auf die hohe Duktilität von Platin. Das bedeutet, das es sich besonders gut verformen kann. Beim Eindringen eines harten Gegenstandes verschiebt sich das Material eher zu den Seiten, als das es bricht und so verloren wäre.

Platin – das Schmuckmetall mit dem höchsten Feingehalt?

Platin wird von der Schmuckindustrie vorwiegend mit einem Feingehalt von mind. 950 Teilen verarbeitet. Das bedeutet, dass von 1000 Teilen der Legierung mind. 950 Teile aus Platin sind. Die verbleibenden 50 Teile bestehen in der Regel aus Kupfer, Wolfram, Iridium oder Kobalt. In den letzten Jahren hat die Industrie niedrigere Feingehalte (z. B. Pt 600) entwickelt. Diese Legierungen sind preislich günstiger und werden auch vom Endverbraucher angenommen.

In Deutschland gibt es bezüglich des Feingehalts keine gesetzlichen Vorschriften bei Schmuck oder Gerät aus Platin oder Platinlegierungen (siehe Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren).

Mein Favorit – Platin-Iridium 800

Neben den bekannten Feingehalten hat sich in meiner Werkstatt die Platin-Iridium 800 Legierung etabliert, die sich aus 800 Teilen Platin und 200 Teilen Iridium zusammensetzt. Diese Platinlegierung zeichnet sich durch eine hohe Belastbarkeit und sehr schöne, helle Farbe aus.

Da Iridium selbst ebenfalls zu den Platinmetallen gehört, kann man sagen, dass man ein Schmuckstück aus 100 Prozent Edelmetall trägt – was, verglichen mit herkömmlichem Schmuck, etwas ganz besonderes ist! Ich verwende diese Legierung gern für Diamantschmuck und im Bereich der Trauringe

Ring aus Platin-Iridium 800 Brillant
Platin Iridium 800 - Brillantring

Fazit

Wenn Ihnen die Farbe von Gold nicht zusagt und Sie die Wahl zwischen sogenanntem Weißgold und Platin haben, wählen Sie Platin. Es gilt als hypoallergen, verändert seine Farbe nicht und ist abhängig von der verwendeten Legierung ganz hervorragend für Schmuck geeignet.

Bedenken Sie, dass Platin nicht von jedem Goldschmied be- oder verarbeitet wird, dass Sie in der Regel aufgrund der höheren Bearbeitungszeit sowie des höheren spezifischen Gewichts mehr Geld ausgeben müssen.

Sie erhalten im Gegenzug ein Schmuckstück, das schon aufgrund des Gewichts sehr wertig ist, niemals anläuft und nicht galvanisch (wie bei den Weißgolden) behandelt werden muss. Nicht zuletzt wegen des erforderlichen Fachwissens auf Seiten des Herstellers ein sehr exklusives Stück!