Goldschmied – der Beruf

Das Goldschmiedehandwerk

Mein Handwerk

Mein Handwerk ist das Goldschmieden. Eines der ältesten Gewerke in der Geschichte der Menschheit überhaupt. Ein Handwerk, aus dem im Laufe vieler Jahrhunderte weitere entstanden: Schmiede, Edelsteinschleifer und –fasser, Graveure, Elfenbeinschnitzer und einige mehr.

Es vereint auf wunderbare Weise die Bereiche der Naturwissenschaften mit den kulturellen Aspekten der jeweiligen Zeit. Es entstanden und entstehen Schmuckstücke sowie Objekte, welche den Zeitgeist und die technischen Errungenschaften der jeweiligen Kulturen wiedergeben.

Die Edelmetalle, so wertvoll sie auch sein mögen, die Edelsteine, so schön sie auch sein mögen – ohne die schmiedende Hand gäbe es keine Piratenschätze und Könige und Königinnen würden sicher keinen Goldbarren auf ihren Häuptern tragen.

Als Goldschmied fertige ich einzigartige Werke und Werte!

Lederschürze Goldschmied

Entwurf und Anfertigung von Unikatschmuck

Zu meinen schönsten Aufgaben als Goldschmied gehört die Anfertigung von Schmuckunikaten. Dies können Ringe, Armbänder, Armreifen, Verschlüsse und Colliers sein. Nicht zu vergessen ist der Bereich der Silberschmiede (hier und da überschneiden sich die beiden Gewerke), die Gerät von religiöser und weltlicher Natur herstellen. In der Regel sind rasche Skizzen und kolorierte Entwürfe die ersten Schritte zur Anfertigung. Diese können aus meiner eigenen Feder oder von Ihnen als Kunde stammen.

Gerade, wenn mehrere Personen an einer Idee arbeiten, ist es oft sehr spannend, was da letztlich die Werkstatt verlässt. In diesen Situationen ist viel Einfühlungsvermögen auf der Seite des Goldschmieds gefragt, gilt es doch, Ihre Vorstellungen dreidimensionale Wirklichkeit werden zu lassen. Hier müssen Persönlichkeit, finanzielle Aspekte und natürlich die Machbarkeit zu einer ästhetischen Einheit geformt werden.

Neben den klassischen Edelsteinen und Edelmetallen wie Gold, Platin und Silber gibt es eine ganze Reihe weiterer Materialien, aus denen sich die schönsten Preziosen fertigen lassen. Edelhölzer, Bein, Korallen und Emaille – aber auch moderne Kunststoffe und Stahl lassen sich zu gradlinigen oder verspielten Ensembles verarbeiten.

Sägebogen der Goldschmiede

Umarbeitung und Reparatur

Fundierte Kenntnisse über Arbeitsabläufe und Techniken – auch geschichtlicher Natur – sowie das Wissen über die Materialien sind hier unabdingbar.

Leider kommen immer wieder Stücke in die Werkstatt, die einfach kaputt repariert wurden. Der so entstandene Schaden ist häufig größer als der ursprüngliche. Reparaturen – ohne Sachkenntnis ausgeführt – können zur Katastrophe führen, nicht nur finanziell.

Als Goldschmied erhalte ich Schmuck und Gerät durch Reparatur und Restauration. Geschichtlich geschult, kann ich auch fehlende Teile anfertigen und dem Stück anpassen. Ich verfüge über eine Reihe von Schriften zum Thema Schmuck, zum Teil von historischer Natur. Hier werden in sehr lebendiger Sprache eindrucksvoll die alten Techniken geschildert.

Zusätzlich zu diesem Wissen nutze ich moderne Technologien immer dann, wenn es passt. Beispielsweise können Oberflächen mit Hilfe der Galvanik gold- oder silberplattiert und auch von Unebenheiten befreit werden. Früher undenkbare Reparaturen an empfindlichsten Stücken können heute mit Hilfe der Lasertechnik in wenigen Augenblicken ausgeführt werden. Der Computer unterstützt bei manchen Entwürfen und der Fertigung (CAD/CAM). Diese Maschinen sind in vielen Werkstätten ein wichtiger Faktor geworden, um wirtschaftlich arbeiten und am Markt bestehen zu können.

Dreul und Zirkel, Goldschmiede-Werkzeug

Komplette Fertigung – aus einer Hand

Die komplette Fertigung aus einer Hand, dies ist bei mir seit je her der Fall. Als Goldschmied schmelze ich mein Material, gebe ihm eine Urform, schmiede und glühe es, biege und schleife, poliere, mattiere und verstehe es, Edelsteine zu fassen sowie feinste Gravuren auszuführen – ein unglaublich vielseitiger Beruf!

Ring mit Brillant

Goldschmiede heute

Im Jahr 2003 wurde die Handwerksordnung (*1) überarbeitet. Von den ursprünglich 94 meisterpflichtigen Handwerken wurde in 53 Handwerken die sogenannte Meisterpflicht zum Jahresende abgeschafft. Diese Gewerke werden seit dem in der Anlage B1 (*2) als „zulassungsfrei“ geführt. Die Frage nach dem „Warum“ wird heute, über 15 Jahre später,  zu unterschiedlichen Antworten führen. Befürworter und Gegner dieser Maßnahmen stehen sich nach wie vor unversöhnlich gegenüber.

(Quellen: *1 Die Handwerksordung (HWO) ist ein Gesetz und damit geltendes Recht; *2 Liste der zulassungsfreien Handwerke Anlage B1)

Bis zum heutigen Tag ist vielen Menschen nicht bewusst, was das Wort „zulassungsfrei“ hier bedeutet. Bei den Gewerken der Anlage A (*3) (zulassungspflichtig Handwerke) ist es für deren Betrieb erforderlich, dass deren Inhaber selbst Meister|in (oder gleichwertige Qualifikationen) sind oder jemand im Betrieb angestellt ist, welcher über die entsprechende Qualifikation im ausgeführten Handwerk verfügt. Die Mindestanforderung der Zulassung zur Meisterprüfung ist eine bestandene Gesellenprüfung (oder gleichwertige Qualifikationen). Bei den zulassungsfreien Handwerken ist dies nicht der Fall. Hier können alle geschäftsfähigen Menschen (ohne jegliche Ausbildung!) das Handwerk betreiben. Selbst die Ausbildung des Nachwuchses ist nach dem Erwerb des Ausbildereignungsscheins möglich.

(Quelle: *3 Liste der zulassungspflichtigen Handwerke Anlage A)

Wenn Sie sich also zum Beispiel als Metall- und Glockengießer oder als Kosmetiker selbständig machen möchten, dann ist Ihnen dies auch ohne jegliche Ausbildung möglich. Das gilt ebenso für das Goldschmiedehandwerk und alle anderen in der Anlage B aufgeführten Handwerke.

Halten wir fest, man kann in den Gewerken der Anlage B eine Ausbildung und zahlreiche Fortbildungen machen, muss es aber nicht. Es gehört nicht viel Fantasie dazu, sich die Folgen auszumalen. Bei dieser Art von Kann-Bestimmung wird mancher den leichten Weg (kein Zeitaufwand, kein Prüfungsstress, keine Kosten für Aus- und Weiterbildung) gehen. In wieweit diese Regelungen als gut oder schlecht im Hinblick auf die Ausbildung an sich und die ausgeführten Arbeiten zu bewerten sind, muss ein jeder für sich entscheiden. Der Ist-Zustand – ein politischer und damit gesellschaftlich so gewollter Zustand.

Die Gründe, nach denen die Unterteilung in Anlage A oder B vorgenommen wurden, waren damals wie heute hanebüchen. Da war (und ist!) die Rede von Gefahren für die Gesundheit in der Bevölkerung. Macht es wirklich einen Unterschied, ob ein Mensch durch Listeriose, Steinschlag oder durch Zyanid zu Schaden kommt?

Neulich…


Entscheidend für die Einführung der Meisterpflicht ist, ob es sich um gefahrgeneigte Handwerke handelt, deren unsachgemäße Ausübung eine Gefahr für Leben und Gesundheit bedeutet. Außerdem sollen solche Handwerke berücksichtigt werden, die vom Kulturgüterschutz erfasst werden oder als immaterielles Kulturgut anzusehen sind.

Carsten Linnemann, Sören Bartol

(*4) Ein wichtiges Vorhaben des Koalitionsvertrages – die Rückführung einiger Gewerke in die Anlage A – obriges Zitat aus der Presseerklärung (September 2019).

(Quelle: *4 Gemeinsame Presseerklärung von Herrn Dr. Linnemann und Herrn Bartol)

Und nein, das Goldschmiedehandwerk ist nicht unter den zwölf Gewerken, welche „rückgeführt“ werden. Wie oben schon ausgeführt, gibt es für die Politik große Unterschiede bei Personenschäden durch Steinschlag oder Zyanid!

Im Gesetzentwurf (*5) der Fraktionen der CDU/CSU und SPD kann man sich dann ausführlich über die Gedankenwelt der Politiker informieren.

(Quelle: *5 Entwurf eines Vierten Gesetzes zur Änderung der Handwerksordnung
und anderer handwerksrechtlicher Vorschriften
)

Wer es wohl machen wird?

Sie werden sich vielleicht an den spektakulären Einbruch am 25. November 2019 in das Residenzschloß in Dresden (*6) erinnern. Im historischen grünen Gewölbe wurden in dieser Nacht zahlreiche Stücke von hohem geschichtlichen Wert entwendet. Gelegentlich werden nach und nach weitere Details durch die Medien bekannt gegeben.

(Quelle:*6 Dresdner Juwelendiebstahl)

Nach wie vor rätselt man, wo die betreffenden Stücke verblieben sind. Manche Experten fürchten den Verlust der Stücke, da sie davon ausgehen, dass die Teile auseinander genommen und als Einzelteile verkauft worden sind.

Ich kann sagen, dass diese Stücke von ganz fantastischen Goldschmieden gearbeitet worden sind. Wenn nun doch das ein oder andere wieder auftauchen sollte, möglicherweise beschädigt durch die Umstände des Diebstahls, wer wird es wohl wieder herrichten?

Nach geltender Auffassung der Politik werden es wohl nicht die jetzigen Restauratoren und Restauratorinnen im Gold- und Silberschmiedehandwerk sein. Für diese Art der Fortbildung ist eine entsprechende Qualifikation vorgeschrieben! Man kann doch nicht einerseits den freien Zugang propagieren und dann im Falle eines Falles nach Experten rufen, oder? Jeder, der sich befähigt fühlt, kann diese Arbeiten ausführen. Man darf sich fragen, was mit den Worten Kulturgüterschutz oder immaterielles Kulturgut gemeint ist…

…letztlich, so scheint es mir, ist es wohl immer eine Frage des Standpunkts.

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