Goldschmiede Mario Sarto

Goldschmied – der Beruf

Das Goldschmiedehandwerk

Goldschmieden – mein Handwerk

Lesezeit: 8 Minuten

Der nachfolgende Text gibt einen Teil meiner Gedanken zu meinem Beruf wieder. Der Blick eines Goldschmieds auf sein Handwerk, wenn Sie so wollen. Ich lade Sie herzlich ein, mir Ihre Sicht auf dieses wunderbare Gewerk zu schildern – schreiben Sie mir.

Mein Handwerk ist das Goldschmieden. Die Be- und Verarbeitung edler Metalle ist eines der ältesten Gewerke in der Geschichte der Menschheit. Ein Handwerk, aus dem im Laufe der Jahrhunderte weitere entstanden:

  • Schmiede
  • Edelsteinschleifer
  • Edelsteinfasser
  • Graveure
  • Elfenbeinschnitzer
  • und viele mehr

Goldschmiede vereinen auf wunderbare Weise die Bereiche der Naturwissenschaften mit den kulturellen Aspekten der jeweiligen Zeit. Es entstanden und entstehen Schmuckstücke sowie Objekte, welche den Zeitgeist und die technischen Errungenschaften der jeweiligen Kulturen wiedergeben.

Die Edelmetalle, so wertvoll sie auch sein mögen, die Edelsteine, so schön sie auch sein mögen – ohne die schmiedende Hand gäbe es keine Piratenschätze und Könige und Königinnen würden mit Sicherheit keinen Goldbarren auf ihren Häuptern tragen.

Es sind Arbeiten der frühen Handwerker, welche bei archäologischen Ausgrabungen immer wieder für offene Münder bei den Findern sorgen. In Kultstätten, ersten, größeren Ansiedlungsgebieten, Gräberfeldern, Nekropolen und entlang der alten Handelsrouten hoffen Schatzsucher und Archäologen auf neue, aufsehenerregende Funde.

Goldschmiede fertigen einzigartige Werke und Werte!

Lederschürze Goldschmied

Verantwortung

Ressourcen schonen

Edelmetalle wie Gold und Silber sind selten. Ihre Gewinnung ist alles andere als einfach. Diese Umstände als auch ihre chemischen und physikalischen Eigenschaften machen sie für den Menschen begehrenswert. Bei den Edelsteinen sieht es nicht anders aus.

Die Kombination aus beidem macht das Besondere einzigartig.

Gold ist unvergänglich. Es kann wieder und wieder eingeschmolzen und zu neuen Formen verarbeitet werden. Viele historische Stücke sind diesem Umstand zum Opfer gefallen. Da es sich um eine knappe Ressource handelt, war und ist das Recycling, die Wiederverwendung eine ständige Aufgabe der Goldschmiede. Es ist denkbar, dass sich in Ihrem Trauring ein paar Atome des Goldes befinden, welches die Spanier den Azteken raubten.

Bei der Herstellung von Schmuck, Gerät und anderen Dingen aus Edelmetallen entstehen Abfälle wie Feilung, Staub, Schlacken und Schlämme. Sie werden seit jeher gesammelt und der Wiederaufbereitung zugeführt. Das gilt auch für Computerteile, Katalysatoren oder Ihr Smartphone.

Werte

Neben dem finanziellen Wert haben Gegenstände wie Schmuckstücke häufig hohe emotionale oder geschichtliche Werte. Darunter solche, die als unwiederbringlich gelten. Das sind zum Beispiel Stücke, deren Herstellung sämtliche Kostenrahmen sprengen würden.

Tatsächlich gibt es aber auch Dinge, die so einzigartig sind, dass sie auch mit modernsten Methoden nicht erneut herstellbar sind. Selbst, wenn man das Material genau analysieren kann, fehlt das Wissen für den Herstellungsprozess.

Die Weitergabe von fundiertem Wissen ist essentiell. Bildung auf möglichst vielen Gebieten, anhaltendes Hinterfragen, Neubewerten und ständige Übung erfordern den Blick über den Tellerrand hinaus.

Entwurf und Anfertigung von Schmuckunikaten

Zu den schönsten Aufgaben als Goldschmied gehört die Anfertigung von Schmuckunikaten. Dies können Ringe, Armbänder, Armreifen, Verschlüsse und Colliers sein. Nicht zu vergessen ist der Bereich der Silberschmiede (hier und da überschneiden sich die beiden Gewerke), die Gerät von religiöser und weltlicher Natur herstellen. In der Regel sind rasche Skizzen und kolorierte Entwürfe die ersten Schritte zur Anfertigung. Diese können aus meiner eigenen Feder oder von Ihnen als Kunde stammen.

Gerade, wenn mehrere Personen an einer Idee arbeiten, ist es oft sehr spannend, was da letztlich die Werkstatt verlässt. In diesen Situationen ist viel Einfühlungsvermögen auf der Seite des Goldschmieds gefragt, gilt es, Ihre Vorstellungen dreidimensionale Wirklichkeit werden zu lassen. Hier müssen Persönlichkeit, finanzielle Aspekte und natürlich die Machbarkeit zu einer ästhetischen Einheit geformt werden.

Neben den klassischen Edelsteinen und Edelmetallen wie Gold, Platin und Silber gibt es eine ganze Reihe weiterer Materialien, aus denen sich die schönsten Preziosen fertigen lassen. Edelhölzer, Bein, Korallen und Emaille – aber auch moderne Kunststoffe und Stahl lassen sich zu gradlinigen oder verspielten Ensembles verarbeiten.

Sägebogen der Goldschmiede

Umarbeitung und Reparatur

Fundierte Kenntnisse über Arbeitsabläufe und Techniken – auch geschichtlicher Natur – sowie das Wissen über die Materialien sind hier unabdingbar.

Leider kommen immer wieder Stücke in die Werkstatt, die tatsächlich kaputt repariert wurden. Der so entstandene Schaden ist häufig größer als der ursprüngliche. Reparaturen – ohne Sachkenntnis ausgeführt – können zur Katastrophe führen, nicht nur finanziell.

Als Goldschmied erhalte ich Schmuck und Gerät durch Reparatur und Restauration. Geschichtlich geschult, kann ich auch fehlende Teile anfertigen und dem Stück anpassen. Ich verfüge über eine Reihe von Schriften zum Thema Schmuck, zum Teil von historischer Natur. Hier werden in sehr lebendiger Sprache eindrucksvoll die alten Techniken geschildert.

Zusätzlich zu diesem Wissen nutze ich moderne Technologien immer dann, wenn es passt. Beispielsweise können Oberflächen galvanisch gold- oder silberplattiert und auch von Unebenheiten befreit werden. Früher undenkbare Reparaturen an empfindlichsten Stücken können heute mithilfe der Lasertechnik in wenigen Augenblicken ausgeführt werden. Der Computer unterstützt bei manchen Entwürfen und der Fertigung (CAD/CAM). Diese Maschinen sind in vielen Werkstätten ein wichtiger Faktor geworden, um wirtschaftlich arbeiten und am Markt bestehen zu können.

Dreul und Zirkel, Goldschmiede-Werkzeug

Komplette Fertigung – aus einer Hand

Die komplette Fertigung aus einer Hand, dies ist bei mir seit je her der Fall. Als Goldschmied schmelze ich mein Material, gebe ihm eine Urform, schmiede und glühe es, biege und schleife, poliere, mattiere und verstehe es, Edelsteine zu fassen sowie feinste Gravuren auszuführen – ein unglaublich vielseitiger Beruf!

Ring mit Brillant

Woher kommt der heutige Goldschmied?

Hinter dem Begriff Goldschmied steckt für mich ein ganzes Universum an Möglichkeiten. Schmuck an sich gilt als reines Luxusgut, welches per Definition als kostspielige Verschwendung angesehen wird. Natürlich ist dies nur die halbe Wahrheit, wie die Zahlen der Verkäufe in diesem Bereich eindrucksvoll belegen.

Schmuck (in all seinen Formen) wird von der Menschheit tatsächlich benötigt. Er ist notwendig und Teil der menschlichen Kultur. Ein Schmuckstück ist Emotion pur. Sei es, dass es als Geschenk gekauft und empfangen wurde oder weil es uns in einem bestimmten Moment ins Auge fiel. Die Gründe für den Kauf eines Schmuckstücks sind breit gefächert, liegen aber immer tief im Inneren eines Menschen. Ob es sich dann um eine momentane Empfindung oder einen lang gehegten Wunsch handelt, spielt keine Rolle.

Bei den möglichen Materialien eines Schmuckstücks gibt es eine schier unendliche Auswahl. Einige sind mehr, andere weniger gut geeignet, um den direkten Hautkontakt eines Menschen zu überdauern. Aus der Erfahrung wissen wir, dass es die Edelmetalle und deren Legierungen sind, welche letztlich die Jahre überdauern. Mit der Wahl der Materialien legen Sie also im Vorhinein die mögliche „Nutzungsdauer“ fest.

Und da sind wir beim Goldschmied, bei der Goldschmiedin. Das Wissen über die Be- und Verarbeitung von Metallen stammt aus den letzten 10.000 Jahren der Menschheit. Das ist in etwa der Moment, da die ersten Menschen sesshaft wurden. Ein gewaltiger Umbruch mit gravierenden Folgen für den gesamten Planeten. Gold, Kupfer und Silber waren die ersten Metalle, welche die Menschen verarbeiteten. Entlang der frühen Handelsrouten bildeten sich erste Zentren des frühen Handwerks. Von jenen Orten verbreiteten sich Wissen und Können der Menschen. Die Fähigkeit, Schmuck herzustellen, ist eine der ältesten der Menschheit.

Goldschmiede – Gesellschaft und Politik

Im Jahr 2003 wurde die Handwerksordnung (*1) überarbeitet. Von den ursprünglich 94 meisterpflichtigen Handwerken wurde in 53 Handwerken die sogenannte Meisterpflicht zum Jahresende abgeschafft. Diese Gewerke werden seitdem in der Anlage B1 (*2) als zulassungsfrei geführt. Die Frage nach dem Warum wird heute, über 15 Jahre später, zu unterschiedlichen Antworten führen. Befürworter und Gegner dieser Maßnahmen stehen sich nach wie vor unversöhnlich gegenüber.

(Quellen: *1 die Handwerksordnung (HWO) ist ein Gesetz und damit geltendes Recht; *2 Liste der zulassungsfreien Handwerke Anlage B1)

Bis zum heutigen Tag ist vielen Menschen nicht bewusst, was das Wort „zulassungsfrei“ hier bedeutet. Bei den Gewerken der Anlage A (*3) (zulassungspflichtige Handwerke) ist es für deren Betrieb erforderlich, dass deren Inhaber selbst Meister|in (oder gleichwertige Qualifikationen) sind oder jemand im Betrieb angestellt ist, welcher über die entsprechende Qualifikation im ausgeführten Handwerk verfügt. Die Mindestanforderung der Zulassung zur Meisterprüfung ist eine bestandene Gesellenprüfung (oder gleichwertige Qualifikationen). Bei den zulassungsfreien Handwerken ist dies nicht der Fall. Hier können alle geschäftsfähigen Menschen (ohne jegliche Ausbildung!) das Handwerk betreiben. Selbst die Ausbildung des Nachwuchses ist nach dem Erwerb des Ausbildereignungsscheins möglich.

(Quelle: *3 Liste der zulassungspflichtigen Handwerke Anlage A)

Wenn Sie sich also zum Beispiel als Metall- und Glockengießer oder als Kosmetiker selbstständig machen möchten, dann ist Ihnen dies auch ohne jegliche Ausbildung möglich. Das gilt ebenso für das Goldschmiedehandwerk und alle anderen in der Anlage B aufgeführten Handwerke.

Halten wir fest, man kann in den Gewerken der Anlage B eine Ausbildung und zahlreiche Fortbildungen machen, muss es aber nicht. Es gehört nicht viel Fantasie dazu, sich die Folgen auszumalen. Bei dieser Art von Kannbestimmung wird mancher den leichten Weg (kein Zeitaufwand, kein Prüfungsstress, keine Kosten für Aus- und Weiterbildung) gehen. In wieweit diese Regelungen als gut oder schlecht im Hinblick auf die Ausbildung an sich und die ausgeführten Arbeiten zu bewerten sind, muss ein jeder für sich entscheiden. Der Istzustand – ein politischer und damit gesellschaftlich so gewollter Zustand.

Die Gründe, nach denen die Unterteilung in Anlage A oder B vorgenommen wurden, waren damals wie heute hanebüchen. Da war (und ist!) die Rede von Gefahren für die Gesundheit in der Bevölkerung. Macht es wirklich einen Unterschied, ob ein Mensch durch Listeriose, Steinschlag oder durch Zyanid zu Schaden kommt?

Neulich…


Entscheidend für die Einführung der Meisterpflicht ist, ob es sich um gefahrgeneigte Handwerke handelt, deren unsachgemäße Ausübung eine Gefahr für Leben und Gesundheit bedeutet. Außerdem sollen solche Handwerke berücksichtigt werden, die vom Kulturgüterschutz erfasst werden oder als immaterielles Kulturgut anzusehen sind.

Carsten Linnemann, Sören Bartol

(*4) Ein wichtiges Vorhaben des Koalitionsvertrages – die Rückführung einiger Gewerke in die Anlage A – obriges Zitat aus der Presseerklärung (September 2019).

(Quelle: *4 gemeinsame Presseerklärung von Herrn Dr. Linnemann und Herrn Bartol)

Und nein, das Goldschmiedehandwerk ist nicht unter den zwölf Gewerken, welche „rückgeführt“ werden. Wie oben schon ausgeführt, gibt es für die Politik große Unterschiede bei Personenschäden durch Steinschlag oder Zyanid!

Im Gesetzentwurf (*5) der Fraktionen der CDU/CSU und SPD kann man sich dann ausführlich über die Gedankenwelt der Politiker informieren.

(Quelle: *5 Entwurf eines Vierten Gesetzes zur Änderung der Handwerksordnung
und anderer handwerksrechtlicher Vorschriften
)

Wer es wohl machen wird?

Sie werden sich vielleicht an den spektakulären Einbruch am 25. November 2019 in das Residenzschloss in Dresden (*6) erinnern. Im historischen Grünen Gewölbe wurden in dieser Nacht zahlreiche Stücke von hohem geschichtlichem Wert entwendet. Gelegentlich werden nach und nach weitere Details durch die Medien bekannt gegeben.

(Quelle:*6 Dresdner Juwelendiebstahl)

Nach wie vor rätselt man, wo die betreffenden Stücke verblieben sind. Manche Experten fürchten den Verlust der Stücke, da sie davon ausgehen, dass die Teile auseinandergenommen und als Einzelteile verkauft worden sind.

Ich kann sagen, dass diese Stücke von ganz fantastischen Goldschmieden gearbeitet worden sind. Wenn nun doch das ein oder andere wieder auftauchen sollte, möglicherweise beschädigt durch die Umstände des Diebstahls, wer wird es wieder herrichten?

Nach geltender Auffassung der Politik werden es nicht die jetzigen Restauratoren und Restauratorinnen im Gold- und Silberschmiedehandwerk sein. Für diese Art der Fortbildung ist eine entsprechende Qualifikation vorgeschrieben! Man kann nicht einerseits den freien Zugang propagieren und dann im Falle eines Falles nach Experten rufen, oder? Jeder, der sich befähigt fühlt, kann diese Arbeiten ausführen. Man darf sich fragen, was mit den Worten Kulturgüterschutz oder immaterielles Kulturgut gemeint ist…

…letztlich, so scheint es mir, ist es immer eine Frage des Standpunkts.

Haben Sie Erfahrungen mit dem Goldschmiedehandwerk? Als Kundin oder Kunde? Oder sind Sie selbst Goldschmied/in? Haben Sie Fragen, die hier nicht behandelt wurden?

Schreiben Sie mir, was Sie bewegt. Ich freue mich über Ihre Gedanken!

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