Brillant fassen

Brillant fassen

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Gehören Sie auch zu den Menschen, die gelegentlich (immer!) wissen müssen, wie etwas funktioniert? Das ist gut, nachfolgend lesen und sehen Sie, wie ein Brillant „eingerieben“, also gefasst wird. Die Fassart „einreiben“ ist nur eine unter vielen und kann mit relativ einfachen Werkzeugen ausgeführt werden. Brillant fassen, so wird es gemacht.

Wie wird ein Brillant gefasst?

Wie wird ein Brillant gefasst?

Eine häufig gestellte Frage zum Thema Edelsteine im Schmuckbereich lautet:

Warum werden die Steine nicht einfach eingeklebt?

Antwort:
Könnte man machen, wird auch gemacht – allerdings nur im Modeschmuckbereich. Bei (hochwertigem) Schmuck aus Edelmetallen wird in der Regel Metall über den Stein gedrückt. Manche Klebstoffe haben im Gebrauch den Nachteil, dass sie nicht UV beständig sind und altern. Andere, die UV beständig sind, haben nicht die nötige Elastizität. Früher oder später fallen die Steine aus ihren Fassungen.

Ein weiterer, gravierender Nachteil beim Kleben ist, dass sich das optische Erscheinungsbild eines durchsichtigen Steins drastisch verschlechtert — durch den Klebstoff wird die Lichtbrechung und zum Teil auch die Farbe verändert. Der Stein wirkt dann langweilig, ja, geradezu leblos.

Video Brillant fassen / einreiben

Schauen Sie sich das Video (*1) zum Thema an.

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Video Brillant fassen
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So wird es gemacht!

Wie im Video gezeigt, wird zunächst ein Loch in den Ring gebohrt. Genau an der Stelle, an der sich später der Brillant befinden soll. Mittels immer größer werdender Fräser wird das Bohrloch erweitert, bis es die passende Größe für den Diamanten hat.

Die Form der Fräser kann dabei variieren. Je nachdem, welchen Durchmesser der Stein hat, kommen hier Kugel- oder Linsenformfräser zum Einsatz. Im Video war es zum Schluss ein sogenannter Linsenformfräser. In der folgenden Vorgangsbeschreibung ist es ein Kugelfräser.

Entscheidend ist, dass der Brillant passgenau in der Fassung sitzt. Er soll nicht hin und her wackeln. Der Fasser justiert die Fassung für den Stein und spricht dabei vom „einjustieren“.

 

Setzen des Steins

Wenn Edelsteine schlussendlich vor dem eigentlichen Fassvorgang in der Fassung platziert werden, dann spricht der Edelsteinfasser vom „setzen“ der Steine (siehe Abb. 1). Dazu verwendet man bei größeren Steinen in der Regel ein sogenanntes Wachsbein. Bei kleinen Durchmessern kommen verschiedene Setzstifte zur Anwendung (in Abb. 1 wird ein Stahlstift verwendet).

Brillant fassen - der Stein setzten mit Hilfe eines Stahlstifts
(Abb. 1) Der Brillant wird in die Fassung gesetzt
Brillant fassen - der Stein setzten mit Hilfe eines Stahlstifts
(Abb. 1) Der Brillant wird in die Fassung gesetzt

Passt – wackelt nicht und hat keine Luft – einjustiert!

Der Brillant befindet sich nun in der Fassung. Der Edelsteinfasser richtet die Facetten des Steins am Schmuckstück aus. Die Tafel liegt parallel zur umgebenden Fläche. Das ist nicht immer ganz einfach. Manch ein Diamant ist nicht so perfekt geschliffen, wie in den Abbildungen 2 und 3 gezeigt.

Brillant fassen - der Brillant sitzt perfekt in seiner Fassung
(Abb. 2) Der Brillant sitzt perfekt in der Fassung
Brillant fassen - der Brillant sitzt perfekt in seiner Fassung
(Abb. 2) Der Brillant sitzt perfekt in der Fassung
Brillant fassen - Ansicht von oben - der Brillant sitzt perfekt in seiner Fassung
(Abb. 3) Der Brillant in der Fassung – von oben gesehen
Brillant fassen - Ansicht von oben - der Brillant sitzt perfekt in seiner Fassung
(Abb. 3) Der Brillant in der Fassung – von oben gesehen

Jetzt wird gefasst!

Den Ausspruch „Ich kann es nicht fassen!“ werden Sie von einem Fasser selten bis gar nicht hören. Wir fassen nahezu alles. In diesem Fall nennt sich der Vorgang des Fassens „einreiben“. Das ist buchstäblich das, was durch die Bewegung der polierten Stahlspitze passiert (siehe Abb. 4 und 5). Diese wird reibend gegen den Fassrand gedrückt. Durch den so erzeugten Druck verschiebt sich das Metall und legt sich über den Rand des Steins. Auf den Stein selbst wird mit dem Stahl kein Druck ausgeübt.

Brillant fassen - durch den Druck auf den Rand wird Metall über den Brillanten gepresst
(Abb. 4) Mit der Stahlspitze wird der nötige Druck erzeugt
Brillant fassen - durch den Druck auf den Rand wird Metall über den Brillanten gepresst
(Abb. 4) Mit der Stahlspitze wird der nötige Druck erzeugt
  1. Druck gegen den Fassrand: Der Druck der Stahlspitze verschiebt das Material.
  2. Der Stein wird vom Metall gehalten: Durch das Verschieben des Metalls legt es sich über den Rand des Steins und hält ihn so fest in der Fassung.
  3. Glänzend: Die Politur der Stahlspitze sorgt für eine Glanzkante (nennt sich Innen-Biseau), in der sich das Licht spiegelt.
Brillant fassen - Vergrößerte Darstellung - durch den Druck auf den Rand wird Metall über den Brillanten gepresst
(Abb. 5) Vergrößerte Darstellung – einreiben
Brillant fassen - Vergrößerte Darstellung - durch den Druck auf den Rand wird Metall über den Brillanten gepresst
(Abb. 5) Vergrößerte Darstellung – einreiben

Mann kann sich den Vorgang des Fassens erleichtern, wenn man zunächst die gegenüberliegenden Kanten des Brillanten einreibt. So kann der Brillant nicht mehr verrutschen (Abbildung 6). Danach reibt man den Stein komplett ein (Abbildung 7).

Brillant fassen - gegenüberliegende Kanten werden zunächst partiell über den Brillanten gedrückt
(Abb. 6) Die gegenüberliegenden Kanten werden zuerst eingerieben
Brillant fassen - gegenüberliegende Kanten werden zunächst partiell über den Brillanten gedrückt
(Abb. 6) Die gegenüberliegenden Kanten werden zuerst eingerieben

Brillant fassen – fertig

Der Brillant ist sauber eingerieben. Die Arbeit des Edelsteinfassers endet hier.

Brillant fassen - Ansicht von oben - der Brillant sitzt perfekt in seiner Fassung
(Abb. 7) Der Brillant ist sauber komplett eingerieben
Brillant fassen - Ansicht von oben - der Brillant sitzt perfekt in seiner Fassung
(Abb. 7) Der Brillant ist sauber komplett eingerieben

Zusammenfassung

Einreiben, Eigenschaften dieser Fassart

  • Bei dieser Fassart gibt es keine Krappen, an denen feine Fäden der Kleidung hängen bleiben könnten.
  • Der Brillant ist sicher gefasst und kann nicht heraus fallen.
  • Die zarten Kanten des Steins sind geschützt.
  • Bei guter Schliffausführung verliert der Diamant nichts von seinem Feuer.
  • Es bleibt viel vom Stein sichtbar – nur wenige Zehntel Material bedecken den Stein.

Optionen

  • Da die Fassung von der Rückseite her offen ist, kann das Schmuckstück später sehr gut gereinigt werden. (Ob man Fassungen auf der Rückseite öffnet, hängt dabei immer vom jeweiligen Schmuckstück ab. Bei sehr zarten Ausführungen wird man nach Möglichkeit darauf verzichten, um etwas mehr Stabilität zu erreichen.)
  • Kann mit Verschnittarbeiten kombiniert werden.

Haben Sie Fragen zu dem Thema?

Die hier beschriebene Variante heißt Einreiben. Wie oben gezeigt mit einem auf Hochglanz polierten Stahl. Daneben gibt es natürlich weitere Möglichkeiten, Brillanten zu fassen.

In meinem Alltag führe ich diese mit von Druckluft betriebenen Handstücken unter einem hochauflösenden Mikroskop aus. Hier finden Sie Beispiele meiner Arbeiten aus dem Bereich Edelsteinfassen.

Wenn Sie Fragen zu dem Thema haben, schreiben Sie sie unten in die Kommentare.

Beispiele

Unten zwei Beispiele für die oben beschriebene Technik. Das helle Bild zeigt einen Ring aus Platin 950 mit farbigen, eingeriebenen Diamanten im Brillantschliff – das dunkle Bild zeigt einen Ring aus 750 Rotgold mit eingeriebenen Brillanten in Wellenform.

Platin Ring 950 Brillanten farbig
Ring aus Platin mit sog. fancy Diamonds
Brillant fassen
Ring aus Rotgold 750 mit Brillanten

Sie haben eine Meinung oder Fragen? Ich freue mich über Ihren Beitrag!

18 Antworten

    1. Hallo Frau Weber-Krumrei, ich denke, jeder Mensch kann das lernen. Möglich wären z. B. Kolleginnen und Kollegen, welche ihrerseits Goldschmiedekurse anbieten. Schauen Sie mal in Ihrer Umgebung, ob da vielleicht der ein oder andere so was anbietet.

    2. Die Technik des Einreibens haben Sie gut beschrieben.Dazu eine Frage:
      bei einem Stein von 2.5 mm Durchmesser, wie groß sollte der Bohrungsdurchmesser sein,
      wie Tief ist die Kante zum Einreiben (Bild 5) ?
      Wie erzeugen Sie den nötigen Druck(Bild 4)
      Danke für Ihre Antwort.

      1. Wenn ein Stein einen Durchmesser von 2,5 mm aufweist, muss der Durchmesser der Bohrung bei Nutzung eines Kugelfräsers 2,5 mm betragen. Ansonsten ließe sich der Stein nicht in die Fläche setzen.

        Manche bevorzugen es, den Stein durch unterfräsen (mittels Linsenfräser) der Fasswand zu justieren. In dem Fall muss die Bohrung entsprechend kleiner gewählt werden (Durchmesser ca. 2,2 – 2,3 mm).

        Die Tiefe der Bohrung sollte in jedem Fall den sicheren Halt des Steins (im späteren Gebrauch) gewährleisten. Bei einem 2,5 mm Stein wird die Tafel wahrscheinlich (je nach Proportion) mit der Metallebene gleich auf sein. Je tiefer der Stein, desto breiter bzw. höher das Innen-Biseau (der innere Fassrand). Ab einer gewissen Tiefe wird man Schwierigkeiten mit dem Fassen selbst bekommen.

        Den Druck erzeugt man durch das Verreiben an sich – bei härteren Materialien kann der zweite Daumen unterstützen. In meiner täglichen Praxis arbeite ich mit Druckluft betriebenen Handstücken.

          1. Wenn ich die Fassung für den Stein justiert habe, muss der nicht weiter fixiert werden. Ich beginne dann, den Stein zu fassen. Mit Wachs würde ich mir die Sicht auf den Stein erschweren. Ich könnte dann kaum erkennen, ob der Stein korrekt ausgerichtet ist. Darüber hinaus hätte ich bei geschlossenen Fassungen das Problem, das Wachs zu entfernen.

  1. Hallo Mario,
    sehr toll beschrieben!
    Eine Frage habe ich:
    Wie läuft eine Reparatur ab, wenn ein gefasster Brillant gebrochen ist (Pseudospannring)?
    Muss dann auf einen größeren Stein ausgewichen werden, um wieder aufzubohren
    um wieder genug Metall zum Einreiben zu haben? Jeder Stein besitzt schließlich eine andere Größe…
    Viele liebe Grüße
    Andrea

    1. Das kommt auf den allgemeinen Zustand des Stücks an. Ein größerer Stein ist eine Möglichkeit. Eine andere wäre, die Fasskanten wieder herzurichten (z. B. per Laser Material zugeben). So könnte man einen Stein gleicher Größe neu fassen.
      Ohne das Stück in der Hand zu haben, lässt sich die Frage jedoch nicht mit Sicherheit beantworten.

  2. Hallo Herr Sarto,

    ich habe als Laie eine oder zwei Fragen zum „Steinfassen mit Körnern“.
    Die Bohrungen für die einzelnen Steine werden mit einem Zirkel markiert. Wie findet man den Abstand der Bohrungen und wie stellt man dieses wohl meistens „krumme“ Maß mit einem Zirkel ein?
    Ich finde es bewundernswert, was edelsteinfasser/innen an kunstvollen werken erschaffen!

    Freundliche Grüße 🙂

    1. Hallo Herr Willmer!
      Im einfachsten Fall – eine Reihe gleich-großer Steine in einer geraden Fläche – richtet sich der Abstand der Bohrungen nach der Steingröße. Bei 2 mm Steingröße wären das in der Theorie dann 2 mm Abstand vom Mittelpunkt einer Bohrung zur nächsten. Hier säßen die Steine dann Kante an Kante. In der Praxis würde ich jedoch ein bis zwei zehntel Millimeter zugeben, damit die Steine sich bei Druck (beim späteren Gebrauch des Schmuckstücks) nicht berühren und dabei eventuell Teile der Kanten abplatzen.

      Fasse ich einen Ring (rund) außen mit Steinen aus, muss der Abstand der Bohrungen noch ein wenig größer gewählt werden. Wenn Steine im inneren eines Ringes gefasst werden, dann wähle ich einen kleineren (kleiner als der Steindurchmesser) Abstand.

      Bei Serienfertigungen sind die Steinsitze in der Regel vorgegeben. Darüber hinaus gibt es seit einigen Jahren auch Maschinen, die Steine in Metalle fassen können. Diese Ergebnisse haben mich aber bislang nicht überzeugen können (vom ästhetischen Standpunkt).

  3. Hallo Herr Sarto,
    bin begeistert von Ihrer ausführlichen Beschreibung!
    Die Fassung (Brillant) von meinem Ehering ist nach unten geschlossen. Kann oben am Rand der Fassung Wasser, Schmutz, Creme, etc. zwischen Stein und Ring gelangen? Sie schreiben mit offener Fassung nach unten kann man den Ring besser reinigen..

    Vielen Dank und herzliche Grüße 😊

    1. Hallo Frau Götz, ja, es kann (bei jeder Fassart) Feuchtigkeit eindringen. Selbst, wenn der Fassrand ganz dicht am Stein anliegt, kann sich Kondenswasser bilden. Bei Diamanten im Brillantschliff fällt dies in der Regel kaum auf. Es lässt sich auch nicht verhindern. Wie ich im Text schrieb, möchte man die Stabilität der Ringschiene bei zarten Ringen nicht noch weiter schwächen.
      Bei einem Trauring, der üblicherweise 24 Stunden am Tag am Finger verbleibt, sollten Sie gelegentlich den Sitz der Steine überprüfen lassen. So lässt sich einem Verlust des (der) Stein(e) vorbeugen.

  4. Hallo Herr Sarto,

    ich möchte meiner Tochter einen Edelstahlring anfertigen, der Brillant ist schon im Hause. Kann dieser Brillant ebenfalls mit Ihrer Technik in die Bohrung des Edelstahlringes gefasst werden?

    Vielen Dank und alles Gute

    1. Hallo Herr Hubrich! Generell kann man Diamanten im Brillantschliff auch in Edelstahlringe einreiben, ja. Ich kann jedoch nicht sagen, ob das von allen Fassern/Goldschmieden angeboten wird. Darüber hinaus liegt das Risiko (Beschädigung des Steins) bei Ihnen. Mir ist kein Fasser bekannt, der bei „fremdem“ Steinmaterial Ersatz leistet (ganz unabhängig vom Material).

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