Brillant fassen

Brillant fassen

Gehören Sie auch zu den Menschen, die gelegentlich (immer!) wissen müssen, wie etwas funktioniert? Das ist gut, nachfolgend lesen und sehen Sie, wie ein Brillant „eingerieben“, also gefasst wird. Die Fassart „einreiben“ ist nur eine unter vielen und kann mit relativ einfachen Werkzeugen ausgeführt werden.

Wie wird ein Brillant gefasst?

Wie wird ein Brillant gefasst?

Eine häufig gestellte Frage zum Thema Edelsteine im Schmuckbereich lautet:

Warum werden die Steine nicht einfach eingeklebt?

Antwort:
Könnte man machen, wird auch gemacht – allerdings nur im Modeschmuckbereich. Bei (hochwertigem) Schmuck aus Edelmetallen wird in der Regel Metall über den Stein gedrückt. Sämtliche Klebstoffe haben im Gebrauch den Nachteil, dass sie nicht UV beständig sind und altern.

Der weitaus gravierendere Nachteil beim Kleben ist jedoch, dass sich das optische Erscheinungsbild eines durchsichtigen Steins drastisch verschlechtert — durch den Klebstoff wird die Lichtbrechung und zum Teil auch die Farbe verändert. Der Stein wirkt dann langweilig, ja, geradezu leblos.

Video Brillant fassen / einreiben

Schauen Sie sich das Video (*1) zum Thema an.

*1 Erst, wenn Sie auf das Bild oder den Play-Button klicken, wird dieses Video von YouTube eingebunden. (Lesen Sie hierzu auch meine Datenschutzerklärung).

Dabei werden Verbindungen mit den Servern von YouTube, LLC, einer Tochtergesellschaft von Google LLC hergestellt. Hier finden Sie die Datenschutzerklärung von Google.

Tipp

Regeln Sie die Lautstärke zunächst etwas herunter!
Wenn Sie das Video bei YouTube ansehen möchten, folgen Sie diesem Link: Brillant fassen

Video Brillant fassen
Video anzeigen?

Damit Sie eingebettete Videos auf dieser Seiten sehen können, werden technisch bedingt personenbezogene Daten (Ihre derzeitige IP-Adresse) an den Betreiber des Videoportals gesendet. Es ist wahrscheinlich, dass der Videoanbieter Ihre Zugriffe speichert und Ihr Verhalten analysieren kann.

Wenn Sie den Link unten anklicken, wird ein Cookie innerhalb Ihres Systems geschrieben. Damit ist es möglich, meinem System für die Dauer Ihres Besuches mitzuteilen, dass Sie dem Anzeigen von eingebetteten Videos in Ihrem Browser zugestimmt haben. Das Cookie speichert keine personenbezogenen Daten, es erkennt lediglich, dass eine Einwilligung für die Anzeige der Videos in Ihrem System erfolgt ist.

Erfahren Sie mehr über diesen Aspekt der Datenschutzeinstellungen auf dieser Seite: Datenschutzerklärung

Videos anzeigen

Alternativ könen Sie auch diesen Link benutzen, der Sie direkt zum Video auf die Website des Videoanbieters bringt: https://youtu.be/fC3Ej0TNA3o

So wird es gemacht!

Wie im Video gezeigt, wird zunächst ein Loch in den Ring gebohrt. Genau an der Stelle, an der sich später der Brillant befinden soll. Mittels immer größer werdender Fräser wird das Bohrloch erweitert, bis es die passende Größe für den Diamanten hat.

Die Form der Fräser kann dabei variieren. Je nachdem, welchen Durchmesser der Stein hat, kommen hier Kugel- oder Linsenformfräser zum Einsatz. Im Video war es zum Schluss ein sogenannter Linsenformfräser. In der folgenden Vorgangsbeschreibung ist es ein Kugelfräser.

Entscheidend ist, dass der Brillant passgenau in der Fassung sitzt. Er soll nicht hin und her wackeln. Der Fasser justiert die Fassung für den Stein und spricht dabei vom „einjustieren“.

 

Setzen des Steins

Wenn Edelsteine schlussendlich vor dem eigentlichen Fassvorgang in der Fassung platziert werden, dann spricht der Edelsteinfasser vom „setzen“ der Steine (siehe Abb. 1). Dazu verwendet man bei größeren Steinen in der Regel ein sogenanntes Wachsbein. Bei kleinen Durchmessern kommen verschiedene Setzstifte zur Anwendung (in Abb. 1 wird ein Stahlstift verwendet).

Brillant fassen - der Stein setzten mit Hilfe eines Stahlstifts
Abb. 1: Der Brillant wird in die Fassung gesetzt

Passt – wackelt nicht und hat keine Luft – einjustiert!

Der Brillant befindet sich nun in der Fassung. Der Fasser hat die Facetten des Steins ausgerichtet. Die Tafel liegt parallel zur umgebenden Fläche. Das ist nicht immer ganz einfach. Manch ein Diamant ist nicht so perfekt geschliffen, wie in den Abbildungen 2 und 3 gezeigt.

Brillant fassen - der Brillant sitzt perfekt in seiner Fassung
Abb. 2: Der Brillant sitzt perfekt in der Fassung
Brillant fassen - Ansicht von oben - der Brillant sitzt perfekt in seiner Fassung
Abb. 3: Der Brillant in der Fassung – von oben gesehen

Jetzt wird gefasst!

Den Ausspruch „Ich kann es nicht fassen!“ werden Sie von einem Fasser selten bis gar nicht hören. Wir fassen nahezu alles. In diesem Fall nennt sich der Vorgang des Fassens „einreiben“. Das ist buchstäblich das, was durch die Bewegung der polierten Stahlspitze passiert (siehe Abb. 4 und 5). Diese wird reibend gegen den Fassrand gedrückt. Durch den so erzeugten Druck verschiebt sich das Metall und legt sich über den Rand des Steins. Auf den Stein selbst wird mit dem Stahl kein Druck ausgeübt.

Brillant fassen - durch den Druck auf den Rand wird Metall über den Brillanten gepresst
Abb. 4: Mit der Stahlspitze wird der nötige Druck erzeugt
  1. Druck gegen den Fassrand: Der Druck der Stahlspitze verschiebt das Material.
  2. Der Stein wird vom Metall gehalten: Durch das Verschieben des Metalls legt es sich über den Rand des Steins und hält ihn so fest in der Fassung.
  3. Glänzend: Die Politur der Stahlspitze sorgt für eine Glanzkante (nennt sich Innen-Biseau), in der sich das Licht spiegelt.
Brillant fassen - Vergrößerte Darstellung - durch den Druck auf den Rand wird Metall über den Brillanten gepresst
Abb. 5: Vergrößerte Darstellung – einreiben

Mann kann sich den Vorgang des Fassens erleichtern, wenn man zunächst die gegenüberliegenden Kanten des Brillanten einreibt. So kann der Brillant nicht mehr verrutschen (Abbildung 6). Danach reibt man den Stein komplett ein (Abbildung 7).

Brillant fassen - gegenüberliegende Kanten werden zunächst partiell über den Brillanten gedrückt
Abb. 6: Die gegenüberliegenden Kanten werden zuerst eingerieben

Brillant fassen – fertig

Der Brillant ist sauber eingerieben. Die Arbeit des Edelsteinfassers endet hier.

Brillant fassen - Ansicht von oben - der Brillant sitzt perfekt in seiner Fassung
Abb. 7: Der Brillant ist sauber komplett eingerieben

Zusammenfassung

Eigenschaften dieser Fassart

  • Bei dieser Fassart gibt es keine Krappen, an denen feine Fäden der Kleidung hängen bleiben könnten.
  • Der Brillant ist sicher gefasst und kann nicht heraus fallen.
  • Die zarten Kanten des Steins sind geschützt.
  • Bei guter Schliffausführung verliert der Diamant nichts von seinem Feuer.

Optionen

Da die Fassung von der Rückseite her offen ist, kann das Schmuckstück später sehr gut gereinigt werden.

Ob man Fassungen auf der Rückseite öffnet, hängt dabei immer vom jeweiligen Schmuckstück ab. Bei sehr zarten Ausführungen wird man nach Möglichkeit darauf verzichten, um etwas mehr Stabilität zu erreichen.

Haben Sie Fragen zu dem Thema?

Die hier beschriebene Variante heißt Einreiben. Wie oben gezeigt mit einem auf Hochglanz polierten Stahl. Daneben gibt es natürlich weitere Möglichkeiten, Brillanten zu fassen.

In meinem Alltag führe ich diese mit von Druckluft betriebenen Handstücken unter einem hochauflösenden Mikroskop aus. Hier finden Sie Beispiele meiner Arbeiten aus dem Bereich Edelsteinfassen.

Wenn Sie Fragen zu dem Thema haben, schreiben Sie sie unten in die Kommentare.

Beispiele

Unten zwei Beispiele für die oben beschriebene Technik. Das helle Bild zeigt einen Ring aus Platin 950 mit farbigen, eingeriebenen Diamanten im Brillantschliff – das dunkle Bild zeigt einen Ring aus 750 Rotgold mit eingeriebenen Brillanten in Wellenform.

Platin Ring 950 Brillanten farbig
Ring aus Platin mit sog. fancy Diamonds
Brillant fassen
Ring aus Rotgold 750 mit Brillanten

Sie haben eine Meinung oder Fragen? Ich freue mich über Ihren Beitrag!

4 Antworten

    1. Hallo Frau Weber-Krumrei, ich denke, jeder Mensch kann das lernen. Möglich wären z. B. Kolleginnen und Kollegen, welche ihrerseits Goldschmiedekurse anbieten. Schauen Sie mal in Ihrer Umgebung, ob da vielleicht der ein oder andere so was anbietet.

  1. Hallo Mario,
    sehr toll beschrieben!
    Eine Frage habe ich:
    Wie läuft eine Reparatur ab, wenn ein gefasster Brillant gebrochen ist (Pseudospannring)?
    Muss dann auf einen größeren Stein ausgewichen werden, um wieder aufzubohren
    um wieder genug Metall zum Einreiben zu haben? Jeder Stein besitzt schließlich eine andere Größe…
    Viele liebe Grüße
    Andrea

    1. Das kommt auf den allgemeinen Zustand des Stücks an. Ein größerer Stein ist eine Möglichkeit. Eine andere wäre, die Fasskanten wieder herzurichten (z. B. per Laser Material zugeben). So könnte man einen Stein gleicher Größe neu fassen.
      Ohne das Stück in der Hand zu haben, lässt sich die Frage jedoch nicht mit Sicherheit beantworten.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.